Überblick
1.Einleitung –
Übersetzungswissenschaft als Königsdisziplin der Sprachwissenschaften
2.Bedeutung des Übersetzens im
Alltag
3.Geschichte des Übersetzens
4.Kontrastivlinguistik als
Grundlage des Übersetzens
Bedeutung des Übersetzens im Alltag
„Was man auch immer von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eins der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltwesen.“ (Goethe)
Einfluss von Übersetzungen auf die
Sprachentwicklung:
Festina lente <-> hasten slowly <->
hâte-toi lentement <-> Eile mit Weile
de gustibus et de colores non est disputandum
<-> des goûts et des couleurs on ne discute pas <-> über Geschmack
läßt sich nicht streiten (there is no accounting for tastes)
Übersetzungsbedarf:
Weltweit: ca. 400 Millionen Seiten pro Jahr
Fachbereiche: Maschinenbau / Elektrotechnik
Haupttextsorten: Geschäftskorrespondenz /
Benutzerinformationen
Geschichte
des Übersetzens
älteste
erhaltene Übersetzungen: ca. 3000 v. Chr. (Sumerer / Akkadier)
geringer
sozialer Status des Übersetzers in Ägypten
erste
Theoretisierung in klassischer Zeit (Cicero: non ut interpres sed ut orator)
Hieronymus
(St. Jerome): Unterscheidung religiöse vs. weltliche Texte
Luther:
rem tene, verba sequentur; „verdeutschende Übersetzung“
Humboldt:
Weltbildthese
vergleichende
Stilistik: Übersetzungsverfahren (z.B. Transposition)
Transposition
|
Deutsch |
Englisch
|
Französisch |
|
Er flog über den Kanal. |
He flew across the Channel. |
Il traversa la Manche en avion. |
|
Sie sprang auf. |
She jumped up. |
Elle s’est levée d’un bond. |
V
-> N (flog -> avion; sprang -> bond)
Prep
-> V (über -> traverser; auf -> se lever)
Moderne
Übersetzungswissenschaft: Skopos-Theorie nach dem griechischen Wort für „Zweck“. Die Strategie des Übersetzers,
die Art und Weise, wie er den Text übersetzt, hängen demnach von der Funktion
des Zieltextes in der Zielkultur ab.
Kontrastivlinguistik
und Übersetzung
Kontrastivlinguistik
als Mittel zur Übersetzungskritik – Beispiel: Hanswilhelm Haefs Übersetzung des
englischen Romans Lemprière’s Dictionary von Lawrence Norfolk
A gull skimmed over the water, measuring the wind.
è
Ermittlung
der Gebrauchsbedingungen von „skim“ nach Leisi
Gebrauchsbedingungen für Verben sind z.B.
è
die
Beschaffenheit des Agens (also im Normallfall des Subjektes, z.B. wird im
Englischen das Verb „eat“ für Mensch und Tier gebraucht, im Deutschen dagegen
unterschieden zwischen „essen“ und „fressen“)
è
die
Beschaffenheit des Patiens (also im Normallfall des Objekts, z.B. wird
„pflücken“ nur mit Blumen oder Obst gebraucht)
è
die
Beschaffenheit des Mediums (z.B. bedeutet „to poke“ mit einem spitzen
Instrument stochern)
è
die
Zahl der Vorgänge (z.B. gibt es Verben, die immer wiederholte Vorgänge
ausdrücken: z.B. to beat)
è
die
Dauer des Vorgangs (kurz bei „yell“, lang bei „love“)
è
die
Geschwindigkeit, die Richtung, das Bezugszentrum usw.
skim:
smooth
movement, denoting light contact, over a surface
Haef: Eine Möwe schoss über das Wasser und nahm dem Wind
das Maß.
Verbesserungsvorschlag: Eine Möwe segelte
(bewegte sich) in flachem Gleitflug über das Wasser und nahm dem Wind das Maß.
/ Eine Möwe glitt schneidig über das Wasser, ...
Interkulturelle (pragmatische) Differenzen
Deutsch-Englisch: Dimensionen
Direktheit <-> Indirektheit
Ichorientierung <-> Du-Orientierung
Inhaltsorientierung <-> Personenorientierung
Ad-hoc-Formulierung <-> Gebrauch von
Routineformeln
Beispiele:
Damit die Zukunft schneller kommt! / We apologize
for any inconvenience work on our building extension is causing you!
Ladies and Gentlemen, please do not leave your
luggage unattended at any time! <-> Meine Damen und Herren, bitte lassen
Sie Ihr Gepäck aus Sicherheitsgründen nie unbeaufsichtigt.
Everybody out now please! <-> Die Badezeit ist
zu Ende.
Trapped and Deceived <-> Wenn Eltern ihre
Tochter verraten