Beispiel 1: Rollenspiel (Klasse 8)

 

Lesson Plan / Unterrichtsausstieg

 

Name:

 

Thema der Stunde:       Rollenspiel "Harry has arrived in Siegen"

 

Gegenstand:                 Selbsterstellter Dialog über Harrys Besuch, Beobachtungsbogen


1. Didaktische Entscheidungen

 

a) Thematischer Zusammenhang

 

In den Kapiteln 1 und 2 des Lehrbuchs Green Line 4 wurde erstes landeskundliches Wissen zu den USA vermittelt. Dabei werden u.a. einige Merkmale der Großstadt New York und der Kleinstadt Oshkosh vorgestellt. Ein sprachlicher Schwerpunkt dieses Lehrbuchteils liegt auf dem Gebrauch von Sprechakten zur Vorstellung und Begrüßung, zur Schilderung von Plänen und Vorhaben sowie zur Beschreibung von Freizeitaktivitäten.

 

b) Themen der vorangegangenen und der heutigen Unterrichtsstunde

 

1.  What is (the purpose of) a role play? - Kognitivierung des Sinns des Rollenspiels im Fremdsprachenunterricht zur Förderung des Methodenbewußtseins; Einführung des Beobachtungsbogens ("task card")

     'Welcome to Siegen / Germany: Free-time activities and sightseeing programme' - Vorbereitung auf den Empfang des Brieffreundes unter Einführung relevanten Vokabulars; Hausaufgabe: (stichwortartiger) Entwurf eines möglichen Dialogs

 

2.  Rollenspiel zum Thema "Harry is coming to Siegen" als Anwendung von Wortschatz und Sprechakten zur Begrüßung, Freizeitaktivitäten und Sehenswürdigkeiten

 

2. Lernziele

 

Schwerpunktziel: Die Schüler sollen unter Anwendung themenspezifischen Wortschatzes ein Rollenspiel zum Thema "Harry has arrived in Siegen" vorbereiten, durchführen und mithilfe eines Beobachtungsbogens knapp bewerten.

 

Feinziele:

 

Die Schüler sollen

 

im Bereich Wissenserwerb:

 

- erkennen, daß Englischunterricht die eigene Lebenswirklichkeit berühren kann, indem sie Situationen des Zusammentreffens mit Muttersprachlern simulieren,

 

- das im Lehrbuch erworbene Wissen über die USA und die Amerikaner auf eine Besuchssituation anwenden,

 

- Sensibilität für inhaltliche Fehler im Rahmen des Rollenspiels entwickeln, indem sie dieses einer knappen Prozeßreflektion unterziehen;

 

im Bereich Spracherwerb:

 

- Wortschatz, Strukturen und Sprechakte in den Bereichen Begrüßung (z.B. "I'm so glad you are here at last."), Freizeitaktivitäten und Sehenswürdigkeiten (z.B. "to go hiking", "to go to a concert", "to visit a museum"), Unterbreiten (z.B. "I suggest we do / go ... / I suggest going / doing ..." und Bewerten (z.B. "that's a great idea!") von Vorschlägen anwenden und festigen,

 

- sich mithilfe des Beobachtungsbogens Wendungen in der mündlichen beschreibenden und bewertenden Rede üben und dabei in geläufigen Satzkonstruktionen folgende für diesen Diskurs typische Lexeme erwerben: "convincing", "realistic", "expressive", "reserved", "obtrusive", "aggressive",

 

- Sensibilität für eigene sprachliche Fehler entwickeln, indem sie mithilfe des Beobachtungsbogens und im Unterrichtsgespräch ihr Rollenspiel kritisch betrachten;

 

im Bereich Methodenerwerb:

 

- sich (in einem schriftlichen Dialog und) im gelenkten Rollenspiel ("role-taking") in die Rolle des Gastgebers bzw. des Gastes einfühlen und diese Rollen im Rahmen ihrer Fähigkeiten sprachlich und sachlich angemessen darstellen,

 

- sich mithilfe des Beobachtungsbogens in der Prozeßreflektion über diese Art des Rollenspiels üben,

 

- (gegen Ende der Stunde oder in der Hausaufgabe) das neu erworbene Sprachmaterial und Wissen auf die fiktive Situation eines Briefs, den Harry an seine Eltern bzw. seine Freunde schreibt, anwenden;

 

im Bereich des affektiven Lernens:

 

- Selbstbewußtsein hinsichtlich ihrer sprachlichen Kompetenz als Basis für die Bereitschaft zur Kommunikation entwickeln, indem sie den Dialog selbst entwickeln und darstellen,

 

- sich in die Perspektive eines amerikanischen Gastschülers versetzen, indem sie Dialogbeiträge zum Rollenspiel erarbeiten und im Spiel erproben,

 

- Hemmungen und Ängste bei der spielerischen Verwendung der Fremdsprache überwinden.


3. Verlaufsplan

 

Unterrichtsphase

Unterrichtsinhalte

Sozial- und Aktionsformen

Einstieg

Präsentation der fiktiven Situation "Harry arrives in Siegen"

kurze Lehrer-darbietung

Erarbeitungsphase

Entwicklung eines Dialogs auf der Basis der Hausaufgabe

Partnerarbeit

Übungsphase 1

Durchführen des Dialogs mit dem Partner

Partnerarbeit

Übungsphase 2 (wiederholt)

Rollenspiel vor der Klasse

Rollenspiel

knappe Sicherungs- und Reflektionsphase (wiederholt)

inhaltliche und sprachliche Bewertung und Korrektur

Unterrichtsgespräch

Hausaufgabe (evtl. Vertiefungsphase)

Schreiben eines Briefs an Harrys Eltern / Freunde

Unterrichtsgespräch

 

4. Erläuterung und Problematisierung zentraler didaktischer Entscheidungen

 

a) Thema

 

Die beiden Stunden sollen eine Reaktivierung und einen Transfer des in den vorhergehenden Stunden Erworbenen in kreativer, die Schüler persönlich ansprechender Form leisten. In der heutigen Stunde wird dazu eine fiktive Situation geschaffen: eine der Hauptfiguren des Lehrbuchs ("Harry") besucht als Brieffreund eines Schülers Siegen. Der Aspekt der Reaktivierung bezieht sich dabei vor allem auf die obengenannten Sprechakte und das landeskundliche Wissen, jener des Transfers auf die Übertragung dieser Sprechakte auf die neue Situation.

 

Diese Themenentscheidung bahnt indirekt den Weg für den Gebrauch der englischen Sprache in denkbaren Realsituationen (Schüleraustausch, Urlaub) an, wobei kommunikationsbezogene Hemmschwellen abgebaut und Motivationsimpulse gegeben werden - die Schüler erkennen, welchen praktischen Sinn das Erlernen der Fremdsprache haben kann.


b) Zur Problematik des Rollenspiels

 

Das Rollenspiel auf der Grundlage einer erdachten Situation kann als eine der effektivsten und motivierendsten Handlungsmuster des Fremdsprachenunterrichts gelten. Auch der Lehrplan sieht für die Jahrgangsstufe 7/8 Rollenspiele vor: "Sie [die Schüler] nehmen an einfachen Rollenspielen und Simulationen teil bzw. schreiben (...) eigene Rollenkarten, die sprachliches Verhalten vorstrukturieren."[1]

 

Bei Rollenspielen im Fremdsprachenunterricht auf der Sekundarstufe I handelt es sich im allgemeinen immer um gelenkte Rollenspiele ("controlled role play"[2], "role-taking"), die schwerpunktmäßig der Aneignung situationsspezifischen Sprachmaterials dienen. Sie verdienen den Namen des Rollenspiels im eigentlichen Sinne nicht[3], da sie meist keinen Anlaß zu umfangreichem Handeln und Spielen, sondern großenteils zur bloßen Verbalisierung bieten. Dennoch hat sich diese Bezeichnung eingebürgert.

 

Problematisch ist außerdem die Frage der Bewertung des Rollenspiels durch die Schüler. Zwar reagieren die Schüler bei einigen Vorführungen spontan durch Applaus; zu einer etwas differenzierteren Beurteilung waren sie indes noch nicht in der Lage. Dieses Problem tritt beim Rollenspiel regelmäßig auf und wird in der Literatur ebenfalls thematisiert.[4] Meine Erfahrungen mit dem Rollenspiel (nicht nur in dieser Klasse) decken sich mit den dort getroffenen Aussagen, z.B. "Ich war überhaupt nicht glücklich mit dem Ergebnis dieser Phase ... vor allem, was herausgekommen ist beim Kritisieren. Die Äußerungen ... es ist einfach nichts gekommen." ... "Weil Sie es überhaupt nicht gewohnt sind, sich gegenseitig zu kritisieren." Es kann also nicht darum gehen, ein frei präsentiertes und differenziert bewertetes Rollenspiel von den Schülern in der 8. Klasse zu erwarten, sondern einen kleinen Schritt auf dieses Ziel hin zu machen.

 

Zur Förderung einer etwas differenzierteren Bewertung soll ein Beobachtungsbogen dienen, der inhaltliche und sprachliche Versatzstücke kombiniert. Eine ausführliche Stellungnahme können die Schüler mangels sprachlicher Grundlagen noch nicht leisten: "At a low level, the language needed to analyse the role play will be much more complex than the language of the role play itself."[5] Das Sprachmaterial auf dem Beobachtungsbogen ermöglicht es den Schülern, über die bloße sprachliche Bewertung hinaus die emotionale Rollenidentifikation zumindest ansatzweise in ihre Überlegungen einzubeziehen. Außerdem soll den Schülern bewußt werden, daß auch negative Kritik sich nicht gegen die Person der Darstellenden richtet.


c) Verlauf

 

Ein Grundproblem der Unterrichtsstunde besteht in dem Spannungsverhältnis von freiem Ausdruck und sprachlicher Korrektheit - wobei ein unstrittiger Grundsatz des Fremsprachenunterrichts lautet: "Fluency goes before correctness". Um jedoch größeren sprachlichen Schwierigkeiten vorzubeugen, empfiehlt sich eine Progression von der schriftlichen Hausaufgabe zur mündlichen Darbietung, wie sie in der heutigen Stunde erfolgt. Um darüber hinaus ein Maximum an Korrektheit auf der Ebene der Strukturen und Sprechakte zu gewährleisten, wurden diese den Schülern bereits in der letzten Stunde noch einmal ins Gedächtnis gerufen und (zum Teil) an der Tafel gesammelt oder in schriftlicher Form vorgelegt. Die Dialoge der Schüler, die nicht vortragen, werden am Ende der Stunde eingesammelt, um eine genaue Fehlerkorrektur für die gesamte Klasse zu gewährleisten.

 

Die Phase der Partnerarbeit fördert Selbständigkeit und Kreativität der Schüler. Der Lehrer greift beratend und behutsam korrigierend ein. Die Erfahrung zeigt, bei Gruppen- oder Partnerarbeit die Schüler zur Benutzung der englischen Sprache zu bewegen. Dieser Nachteil wird dadurch aufgewogen, daß sie gemeinsam an einem englischsprachigen Dialog arbeiten - die Sprechzeit des einzelnen Schülers und seine aktive Auseinandersetzung mit der englischen Sprache werden durch die vorgesehene Übungsphase immer noch wesentlich höher als im Frontalunterricht liegen.

 

Den Schülern wird in der Übungsphase 1 die Gelegenheit gegeben, das Rollenspiel in einem ersten Durchgang für sich selbst zu erproben. In dieser und der vorhergehenden Phase kann der Lehrer stärker korrigierend eingreifen als bei der darauffolgenden Darbietung vor der Klasse, bei der den Schülern sonst die Motivation zum freien Sprechen genommen werden könnte. In letzterer Phase, die den Hauptteil der Stunde darstellt, wird besonders auf das Anerkennen und Loben guter Leistungen zu achten sein.

 

U.u. ist damit zu rechnen, daß die Schüler das Rollenspiel nach einigen Wiederholungen als ermüdend empfinden oder - obwohl dies angesichts der Kreativität der Klasse wohl eher unwahrscheinlich ist - daß die Dialoge der Schüler sich in einem nur sehr engen inhaltlichen Rahmen bewegen. In diesem Fall können durch die Aufforderung zur Improvisation neue Impulse gesetzt werden. Schließlich ist alternativ zum weiteren Vorspielen eine Vertiefungsphase vorgesehen, die das Schreiben eines Briefs an Harrys Eltern bzw. Freunde zum Inhalt hat. Diese Vertiefung erfolgt sonst in der Hausaufgabe.


Use the following 'task card' to say how good or bad the role-play was.

 

                                               Task Card

 

                                              Watch the role-play and say what you think.

 

Helge

Vanessa

Elena and Yvonne

was

...

were

 

 

not

too

very

really

great

good

nervous

realistic

 

I think / feel

his

her

their

English

conversation

dialogue

was

was not

 

 

good

fluent (flüssig)

o.k.

 

We think / feel

his

her

their

face(s)

voice(s)

should be

should not sound

more

less

so

friendly

aggressive

convincing

(überzeugend)

expressive (ausdrucksvoll)

realistic

 

 

he

she

they

 

didn't use

 

 

used

the vocabulary

the words

 

their notes

for making suggestions

...

too much

 

 

he

she

they

 

should be

should not be

more

less

so

reserved (zurückhaltend)

obtrusive

(aufdringlich)

 

 

You can also try to say more complex sentences, such as

 

'In general / overall, I think their dialogue was very realistic, but there were some questions that you wouldn't ask someone you've just met for the first time.'

 

'Their dialogue was quite good - they didn't just read out their notes, they did it very freely, but they made a few grammatical mistakes. For instance, I don't think you can say ...'

 


Role-play :

 

Harry is your new pen friend (Brieffreund, also: pen pal). He is coming to Siegen / Germany. On Wednesday we are going to do a role-play on Harry's visit to Siegen.

 

What is a role-play?

 

Remember when Harry was running for school captain? The dialogue you wrote and acted out then was a role-play, because some of you played the role of reporter and others that of Harry. It is a way of learning to speak English in a particular situation. You needn't be afraid of the role-play because it is just another way to practise your English, not a test of how good an actor (Schauspieler) you are.

This time there are only two roles: Harry, who is coming to visit you in Siegen, and yourself.

 

What is the purpose (Ziel, Zweck) of a role-play?

 

The purpose of a role-play is to act out a real-life English-language situation. In this role-play, we are going to practise the vocabulary and grammar used in welcoming someone, in making suggestions and in describing free-time and sightseeing activities in Siegen and the Siegen area.

 

How do we prepare for the role-play?

 

1. Homework for Wednesday, 10 January: Write down (notes on) a dialogue between you and Harry. Use the words and expressions below. (Harry arrives at your home. Think of questions Harry might ask and answers you might give / suggestions (Vorschläge) you might make; of course, you can also ask Harry some questions).

 

On Wednesday:

 

2. Get together with your neighbour, compare your dialogues and make a few notes on a possible dialogue between the two of you (10 min) (or: choose the best dialogue, make it a little more complete and practise it.)

3. Then practise that dialogue for five minutes with your neighbour.

4. I am then going to ask some of you to act out the dialogue in front of the class.

The others watch and say what they think about the dialogues using the 'task card'.

(5. Those who do not act out their dialogue, please hand in your exercise books at the end of the lesson.)

 

Please use some of the following words and expressions in your dialogue:

 

Welcoming Harry.

 

You

Harry

Hello, Harry. I'm so glad / pleased to see you / you are here at last.

 

How are you? / How are things? / How's it going? / How goes it?

 

 

 

I'm fine / o.k. // I'm feeling great. What about you?

I'm fine / o.k. Welcome to Siegen.

...

Come in. / Do come in. Let me take your coat / I'll take your luggage.

Thanks.

Do sit down. / Take a seat. (Would you like a drink? ...)

...

 

Discussing free-time activities and the sightseeing programme.

 

You:

Harry:

...

I've heard about (Düsseldorf / German beer).

 

What can we do in (Velbert)?

 

What's it like (in Düsseldorf?)

 

What do your friends do?

...

What else is there to see / visit / go to ...?

...

I'd really like (to do) ... / I'd love to ...

....

I wouldn't (much) like (to do) ...

...

I'm really interested in ... Can we ...?

...

I've heard that the Germans ...? Is that true?

I suggest we go to (the swimming baths / Düsseldorf.) / do (a tour of the Sauerland) / ...

...

What about going / doing to ...? / How about doing / going ...?

Great! / Sounds good! / That's a great idea! / I'd really like to do that ...

Why don't we watch / do / go ...?

...


 



[1] Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Richtlinien und Lehrpläne für das Gymnasium - Sekundarstufe 1 - in Nordrhein-Westfalen: Englisch. Düsseldorf 1993.

[2] Doff, A Training Course for Teachers. Teachers Workbook, Cambridge 1988, 136.

[3] vgl. die Begriffsbestimmung von Meyer, Unterrichtsmethoden II: Praxisband, 357 ff.

[4] Vgl. Puchta/Schratz, Handelndes Lernen im Englischunterricht. Praxisbuch. München 1984, 42-45 (dort finden sich auch brauchbare Ansätze für den Beobachtungsbogen).

[5] Porter Ladousse, Role Play, Oxford 1987, 16.