Dirk Siepmann
Fehlerkategorien und Korrekturzeichen - Vorschläge für eine Korrektur
Erfahrungsgemäß haben viele Fremdsprachenlehrer Schwierigkeiten, die
schriftsprachlichen Fehler ihrer Lerner den in den Richtlinien vorgegebenen
Kategorien zuzuordnen. Anhand authentischer Beispiele aus der Korrekturpraxis
weist der Autor des folgenden Beitrags zunächst nach, dass dies nicht etwa an
der mangelnden Kompetenz der Kollegen liegt, sondern eher an den ungenauen
Begriffsbestimmungen der Richtlinien. Hauptanliegen des Beitrags ist es jedoch,
konstruktive Vorschläge für eine Neugestaltung der Fehlerkategorisierung zu
machen, die in Einklang mit neueren linguistischen Erkenntnissen steht und die
Fehlerprophylaxe begünstigt.
1. Einleitung
Wer kennt nicht das ungute Gefühl, das einen mitunter bei der Korrektur
von Klausuren beschleicht: man ist sich nicht sicher, ob eine falsch gebrauchte
Wendung als Wort-, Grammatik- oder Ausdrucksfehler zu gelten hat oder ob ein
fehlerhafter Gebrauch der Verlaufsform des Präsens als Tempusfehler wohl
treffend bezeichnet ist. Schwerer noch macht einem die Ungewissheit zu
schaffen, ob dem Schüler mit solchen Kategorisierungen geholfen ist, die Frage
also, ob er verstehen wird, "was er falsch gemacht hat", denn diese
Einsicht ist aller didaktischen Erkenntnis nach eine der Hauptvoraussetzungen
für eine spätere Fehlervermeidung.
Verstehen lässt sich nach heutigem Erkenntnisstand als die Einordnung
einer neuen Information in ein vorhandenes konzeptuelles System
charakterisieren. Wo keine Verbindungen mit bereits Bekanntem geschaffen
werden, wird nichts gelernt.[1]
Wenn nun aber schon der Lehrende Schwierigkeiten bei der Einordnung des Fehlers
hat, wie soll dann der Lernende sich auf dessen Fehlermarkierung einen Reim
machen können? Hinzu kommt, dass Fehlerbezeichnungen auch bei Zweit- oder
Drittkorrekturen von Prüfungsarbeiten häufiger Diskussionsanlass sind.
Eine Aufarbeitung des Themas erweist sich somit als längst überfällig.
Hierzu möchten die folgenden Ausführungen einige Denkanstöße geben. Da meine
Arbeitssprachen das Englische und das Französische sind, wähle ich die
Beispiele aus diesen beiden Sprachen. Das hier Vorgestellte soll jedoch auch
für andere Sprachen Gültigkeit haben.
2. Probleme der Fehlerkategorisierung in den Richtlinien
Bevor ich das soeben skizzierte Dilemma anhand einiger Praxisbeispiele
veranschauliche, möchte ich kurz die in den meisten Bundesländern üblichen
Fehlerkategorien in Erinnerung rufen, über deren Definition ein breiter Konsens
besteht:
Im Bereich der Lexik wären zunächst der Wortfehler (W) und der
Ausdrucksfehler (A) näher in den Blick zu nehmen: Wortfehler, so die
Richtlinien übereinstimmend, beziehen sich auf das einzelne "Wort"
(Substantiv, Adjektiv, Verb, Adverb) und lassen sich durch das Einsetzen des
richtigen Wortes anstelle des falschen korrigieren. Ausdrucksfehler dagegen
beziehen sich auf mehrere "Wörter". In der wohlmeinenden Absicht,
Zweifelsfällen vorzubeugen, ergänzen die neuen Richtlinien Französisch für die
Sekundarstufe II des Landes Nordrhein-Westfalen[2],
dass sich diese Festlegung auf die korrigierte, nicht aber auf die fehlerhafte
Version beziehen soll. So liege z.B. in dem folgenden Satz deshalb kein Wortfehler
vor, weil eine Korrektur durch ein anderes Einzelwort den Richtlinienautoren
unmöglich erscheint:
*Les
clochards échappent dans l'isolement. (-> Les clochards se sauvent
dans l'isolement).
Bereits an dieser Stelle zeigt sich, dass die obengenannten
Definitionen, insbesondere jene des Ausdrucksfehlers, erhebliche Probleme mit
sich bringen: eine genaue Bestimmung des Begriffs "Wort" bleibt aus;
das Beispiel legt aber nahe, dass auf eine rein orthographisch-graphemisch oder
syntaktisch motivierte Wortdefinition rekurriert wird, d.h. ein Wort wird entweder als eine Einheit gesehen, die im
Schriftbild durch zwei Leerstellen von den sie umgebenden Wörtern abgesetzt ist
oder aber als kleinste verschiebbare Einheit des Satzes betrachtet. Beide
Definitionen machen in einem kommunikativen Fremdsprachenunterricht wenig Sinn,
in dem zu Recht schon lange eine lexikalisch-semantische Definition des Wortes
als "lexikalische Einheit" vorherrscht.
Kommen wir nun noch einmal auf das obige Beispiel zurück: Sowohl échapper als auch se sauver lassen sich als lexikalische Einheiten oder Lexeme
bezeichnen und werden als solche gelehrt, so dass es unter semantischen und
lerntheoretischen Gesichtspunkten fragwürdig ist, von einem Ausdrucksfehler zu
sprechen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich entgegen der Meinung der
Richtlinienautoren in Gestalt von fuir
durchaus ein Einzelwort finden lässt, welches échapper ersetzen kann und sogar wesentlich häufiger mit Abstrakta
kollokiert als se sauver:
Les
clochards fuient dans l'isolement.
Ein Einwand könnte lauten, dass der Schüler möglicherweise eher die
Bedeutung "entkommen" als "fliehen" im Sinn hatte, aber das
ist hier irrelevant, da es um das Grundsätzliche an diesem Fall geht und sich
Zweifelsfälle dieser Art beliebig vermehren lassen.
Die oben zitierten Richtlinien steigern die Verwirrung nun noch dadurch,
dass auch der Gebrauch der falschen Wortklasse, "z.B. Adjektiv statt
Adverb oder umgekehrt"[3],
zu den Wortfehlern gezählt wird. Dies verwundert insofern, als die Unterscheidung
von Wortklassen gewöhnlich dem Bereich der Grammatik zugeordnet wird. Es steht
darüber hinaus zu vermuten, dass der fehlerhafte Gebrauch eines Adverbs in der
Mehrzahl der Fälle auf eine ungenügende Beherrschung der grammatischen
Unterscheidung von Adjektiv und Adverb zurückzuführen ist und nicht auf die
Auswahl eines falschen Lexems.
Eine weitere häufig diagnostizierte Fehlerkategorie ist der
Grammatikfehler. Diese unterliegt je nach Fach einer unterschiedlich feinen
Differenzierung: im Fach Englisch unterscheidet man gewöhnlich Tempus- und
Stellungsfehler; Satzbaufehler bilden erstaunlicherweise eine eigene Kategorie,
unter die dann wiederum Präpositionsfehler fallen. Diese Zuordnungen werden im
Fach Französisch nicht aufgegriffen: die obengenannten Richtlinien Französisch
für Nordrhein-Westfalen unterscheiden beispielsweise Beziehungsfehler (Bz),
falschen Accord (Acc), morphologische Fehler (F), Verwendung des falschen
Determinanten (Det), falschen Pronomengebrauch (Pron), Verwendung der falschen
Präposition oder Konjunktion (Präp / Konj), falschen Tempusgebrauch (T),
falschen Modusgebrauch (M), falsche Wort- und Satzgliedstellung (St) und
falschen Satzbau (Sb).
Es würde zu weit führen, hier auf jede einzelne Fehlerart ausführlich
einzugehen. Wichtig erscheint mir jedoch, dass die Kategorisierung im Fach
Französisch immerhin den Versuch macht, fehleranfällige Bereiche auch mit einem
gesonderten Fehlerzeichen kenntlich zu machen, um dem Lerner so die Möglichkeit
zu geben, bestimmte Grammatikkapitel einer erneuten Betrachtung zu unterziehen.
3. Probleme der Fehlerkategorisierung auf Lehrerseite
Wie soeben dargestellt, ergeben sich einige grundlegende Probleme der
Klassifizierung von Fehlern bereits aus deren definitorischer Bestimmung. Die
folgenden Beispielsätze, die Englischklausuren einer gymnasialen Oberstufe
entstammen, sollen weitere Schwierigkeiten veranschaulichen. Die inkriminierten
Stellen sind durch Unterstreichungen gekennzeichnet:
1.
*Willy Loman is a man who admires all the ideas which stay for
the American Dream.
Die Kennzeichnung dieses Fehlers stellt den Korrektor
vor ein logisches Problem. Folgt man streng der definitorischen Bestimmung des
Wortfehlers, so liegt in der Tat ein solcher vor, denn durch Ersetzen des Verbs
"stay" durch das Verb "stand" entsteht ein halbwegs
akzeptabler Satz. Andererseits könnte man aber fast mit gleichem Recht von
einem Ausdrucksfehler sprechen, da sich der Verstoß auf mehrere graphemische
Wörter (stay und for) bezieht; auch die oben diskutierte tour de force der Richtlinien Französisch löst dieses Problem nur
scheinbar, indem sie die Zahl der graphemischen Wörter in der korrigierten
Version zum Maßstab für die Fehlerbezeichnung macht, denn das stand ebenfalls mit for konstruiert wird, ist ja nur ein Zufall. Ähnlich liegen die
Dinge in folgenden Fällen, wo eigentlich eine falsche Kollokation bzw. feste
Wendung gewählt wurden:
Although the posters and telescreens raise
a feeling of unease.
People often call
America the 'land of unlimited possibilities'. (richtig: land of [unlimited]
opportunity)
2.
*Biff
and Ben had a box fight.
Nach den Richtlinien handelt es sich hier natürlich um
einen Ausdrucksfehler, da zwei graphemische Wörter involviert sind. Dennoch
sträubt sich unser Sprachgefühl gegen eine solche Kategorisierung, handelt es
sich doch eigentlich um die Wahl eines falschen Kompositums, sprich eines
falschen Lexems (richtig ist boxing match).
3.
*Biff means a lot for him.
Folgt man den Richtlinien, ist hier wohl am ehesten
ein Präpositionsfehler zu diagnostizieren. Dennoch ließe sich aufgrund der
fehlerhaften Verbkonstruktion sicherlich auch für einen Grammatikfehler
plädieren. Analoges gilt für folgenden Fall, in dem der Schüler davon ausging,
dass das englische Substantiv example und
das deutsche Substantiv Beispiel die
gleiche Fügungspotenz innehaben:
*An example for such a project is
the initiative of the American government.
4.
In
America blacks are discriminated due to the colour of their skin.
Ähnlich wie in Fall 3 erhebt sich hier die Frage, ob
es sinnvoll ist, den Fehler richtlinienkonform der Kategorie
"Auslassungsfehler" zuzuordnen. Wiederum spräche einiges dafür, einen
Grammatikfehler zu diagnostizieren, da die Verbkonstruktion fehlerhaft ist.
5.
They
watched TV when their father came in.
Diese Art von Fehler (der Kontext verlangte "were watching") wird häufig als Tempusfehler bezeichnet.
Streng genommen handelt es sich aber nicht um einen Tempusfehler, sondern um
den fehlerhaften Gebrauch des Verbalaspekts, also um einen Grammatik- oder
Aspektfehler.
6.
The
other animals who live in a great distance to the wolves tell
them to stay.
Hier könnten nach dem derzeit gültigen System zwei
Präpositionsfehler berechnet werden. Es ist jedoch unmittelbar einsichtig, dass
der Fehler auf eine Unkenntnis der Fügungspotenz des Substantivs distance zurückzuführen ist (richtig: at
a great distance from).
Aus dem Vorstehenden sollte die Klassifizierungsproblematik in einigen
ihrer Facetten deutlich geworden sein. Der beste Ausweg bestünde sicherlich
darin, bei Lerner und Lehrer eine gemeinsame Verstehensgrundlage zu schaffen,
die dem Lehrer die eindeutige Klassifizierung des Fehlers und dem Lerner ein
eindeutiges Verständnis desselben erlaubt. Dies soll im nächsten Abschnitt
versucht werden.
4. Verbesserungsvorschläge auf lexikogrammatischer Grundlage
Spätestens seit der sogenannten "kommunikativen
Wende" besteht ein Konsens in der Fremdsprachendidaktik, demzufolge der
Lehrer bei der Beurteilung der Schwere eines Fehlers die kommunikative Wirkung
desselben berücksichtigen sollte. Darauf hoben schon Hurst, Nissen und Schulz
1979 ab:
"Wie wichtig ist
der durch die Verfehlung betroffene sprachliche Regel- oder Merkmalskomplex
(für die Gewährleistung der Kommunikation, D.S.)?"[4]
In dieser Frage kommt indirekt zum Ausdruck, dass Fehlerbezeichnungen
eine Zuordnung zu einem sprachlichen Regel- oder Merkmalskomplex ermöglichen
und damit dem Schüler Aufschluß über die Fehlerursache geben sollten. Schüler
verlangen nämlich bewußtmachende Korrekturen, die sie in ihr Wissenssystem integrieren
können.[5]
Wie aus den oben besprochenen Problemfällen ersichtlich, werden die heute
üblichen Kategorisierungen diesen Anforderungen nicht gerecht. Die Zeichen W
(Wortfehler), A (Ausdrucksfehler) und - mit Einschränkungen - Gr
(Grammatikfehler) sind, so wie sie bisher definiert wurden, weder unter
linguistischen Gesichtspunkten zu rechtfertigen noch unter didaktischen
Gesichtspunkten sinnvoll. Ich halte folgende Korrekturen und Ergänzungen für
angebracht:
1. Unter
einem Wortfehler (W) sollte in Zukunft die Auswahl einer falschen lexikalischen
Einheit verstanden werden, d.h. der Begriff sollte Komposita (boxing match) und Zwillingsformeln (bread and butter, alive and kicking)
miteinbeziehen. Wie Untersuchungen zum mentalen Lexikon zeigen, werden solche
Einheiten im Gehirn separat gespeichert. Folgende Beispiele stellen also
Wortfehler dar:
*They live in a high
house. (a high-riser, a high-rise building, a multi-storey building, a
tower block).
*She was glad that he
had arrived safe and secure (safe and sound).
2. Der
Begriff "Ausdrucksfehler" sollte nur noch für stilistisch mißglückte
Formulierungen stehen. Dabei kann es sich um die Verknüpfung inkompatibler
Stilebenen handeln, um Fälle sprachlich-logischer Unbeholfenheit oder auch um
sprachlich geglückte, aber der Kommunikationssituation nicht angemessene
Wendungen. Beispiele:
*If we look at them
in terms of money, we notice that they don't have any.
*The Highlanders live
mainly on tourists.
*The US was more
flexible than Germany and now it is a few years further on.
In diesem Bereich kommt es übrigens aufgrund
mangelhafter Fremdsprachenkenntnisse der Korrektoren häufig zu Fehlurteilen;
nimmt ein deutscher Korrektor seine Muttersprache als stilistischen Maßstab, so
könnte er leicht folgende französische Sätze als semantisch schief inkrimieren:
Leur couple fonctionne
très bien.
(Mon client n'a rien à
se reprocher.) Son dossier est vide.
In beiden Fällen handelt es sich aber um geläufige,
der französischen Stilnorm entsprechende Formulierungen.
In anderen Bereichen ist der Begriff
"Ausdrucksfehler" (A) durch den präziseren Begriff
"Kollokationsfehler" (K) zu ersetzen. Kollokationen lassen sich für
schulische Zwecke als rekurrente Wortverbindungen definieren, die sich durch morphosyntaktische
Variabilität auszeichnen.[6]
Ein Beispiel für eine solche Kollokation wäre Winter + streng: zum einen treten die beiden Lexeme häufig
gemeinsam auf, zum anderen sind sie morphosyntaktisch variabel; sie lassen sich
z.B. in den Plural setzen (wir haben zwei
strenge Winter hinter uns) oder modifizieren (der letzte Winter war ziemlich streng). Für schulische Zwecke
genügt es, acht Grundtypen von Kollokation zu unterscheiden, von denen sechs
auf Haussmann[7] zurückgehen;
einige Beispiele:
|
|
Kollokationstyp |
Beispiele |
|
1. |
Verb
+ Substantiv (Objekt) |
maillot jaune + prendre; gain +
acceptance |
|
2. |
Substantiv
(Subjekt) + Verb |
maladie + couver; avalanche + come down |
|
3. |
Substantiv
+ Adjektiv |
exemple + concret ; example + clear |
|
4. |
Adverb +
Adjektiv |
bien / fermement / fortement /
solidement+ charpenté |
|
5. |
Substantiv
+ Substantiv |
soif (+ de) + vengeance |
|
6. |
Verb
+ Adverb |
stopper + net |
|
7. |
Adverb
+ Präposition |
nettement + en dessous de; well +
behind |
|
8. |
Adverb
+ Adverb |
really + well |
3. Da
das Auslassungszeichen keine Fehlerklassifizierung ermöglicht, sollte sein
Gebrauch immer mit einer genaueren Fehlerkennzeichnung verbunden werden (vgl.
dazu das Beispiel 4 in Abschnitt 3).
4. Im
Bereich der Grammatik ist das Spektrum um den Valenzfehler zu ergänzen; dem
Schüler wird so deutlich, dass der Fehler in den Bereich der Verb-, Substantiv-
oder Adjektivvalenz fällt und in den meisten Fällen durch Nachschlagen in den
gängigen Lernerwörterbüchern hätte verhindert werden können. Die Verb-,
Substantiv- und Adjektivvalenzen des Englischen sind im Rahmen umfangreicher
Forschungsarbeiten des Cobuild-Teams
fast vollständig erfasst worden.[8]
Für das Französische liefern Standardwerke einen Großteil der Verbvalenzen[9];
im Bereich der Substantiv- und Adjektivvalenzen bleibt jedoch noch einiges zu
tun.[10]
Die Kürzel VP (verb pattern), NP (noun pattern) und ADJP (adjective pattern) ließen sich im
Englischunterricht sinnvoll einsetzen; im Französischunterricht wären
vielleicht VV, NV und ADJV vorzuziehen.
Bisher wurden Valenzfehler häufig als Ausdrucks-,
Satzbau oder Präpositionsfehler gekennzeichnet; eine solch allgemeine
Charakterisierung hat jedoch, wie oben demonstriert, keinerlei didaktischen
Nutzen. So stellen sich Hurst/Nissen/Schulz angesichts des folgenden Satzes die
Frage, ob ein grammatischer oder lexikalischer Fehler vorliegt:
*Joe Lampton succeeds to climb the social ladder.[11]
Diese Frage lässt sich im Rahmen der Lexikogrammatik
eindeutig dahingehend beantworten, dass das Verbalschema inkorrekt ist und der
Fehler also mit "VP" zu kennzeichnen wäre. Die folgende Tabelle
liefert weitere Beispiele für Unterschiede zwischen der bisherigen Praxis und
ihrer hier angeregten Verbesserung:
|
Bisherige Praxis |
Verbesserungsvorschlag |
|
*He will always be
grateful to Harry that he gave him this chance. (Sb) |
ADJP (die Adjektive grateful, indebted und obliged
werden mit to + Substantiv + for + Substantiv / + ing konstruiert) |
|
*She was pretty to be
looked at. (Gr) |
ADJP (Adjektive wie attractive, pretty, soft, terrible, simple
stehen mit dem Infinitiv Aktiv) |
|
*He was furious with
his arrest. (Pr) |
ADJP (wenn der Grund für
die Erregung eine Sache ist, steht furious mit about oder over) |
|
*... the trouble he caused
to him. ( ) |
VP |
|
*Il n'a aucune réticence de confronter
Marius avec ces faits. (Pr) |
NP (bzw. NV) |
|
*L'important est comment on peut arriver à des
résultats. (Gr / Sb) |
ADJP (bzw. ADJV; Adjektive wie important, principal verlangen in
dieser Konstruktion die Ergänzung de
savoir: l'important est de savoir
comment) |
|
*Beaucoup d'Européens sont sceptiques de
l'Union monétaire. (Pr) |
ADJP (bzw. ADJV; sceptique steht mit sur,
devant oder quant à) |
5. Aus
dem Gesagten ergibt sich, dass der Begriff "Grammatikfehler" nur noch
auf Regel- oder Merkmalskomplexe Anwendung finden sollte, die nicht in den
Bereich der Lexikogrammatik fallen und von den obigen Kategorisierungen nicht
abgedeckt werden.
6. Weiterhin
ist eine Trennung von Tempus- und Aspektfehlern sinnvoll.
Abschließend sei bemerkt, dass auch die hier vorgestellte
Fehlerklassifikation nicht alle Zweifelsfälle einer befriedigenden Lösung
zuführen kann. Sie ermöglicht aber in vielen Fällen eine didaktisch sinnvollere
Fehlerklassifikation als bisher.
[1] vgl. z.B. Ellen D. Gagné. The Cognitive Psychology of School Learning. Boston/Toronto: Little, Brown and Company,
1985.
[2] Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen: Französisch. Frechen: Ritterbach, 1999, S. 113.
[3] Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Richtlinien und Lehrpläne ..., S. 113.
[4] Hilda Hurst, Reinhard Nissen, Uwe Schulz. Oberstufenarbeiten Englisch. Von der
Textauswahl bis zur Bewertung. Dortmund: Lensing, 1979, S. 57.
[5] vgl. Karin Kleppin, Frank G. Königs. Der Korrektur auf der Spur - Untersuchungen
zum mündlichen Korrekturverhalten von Fremdsprachenlehrern. Bochum: Brockmeyer, 1991.
[6] Roda P. Roberts, "Le traitement des collocations et des expressions idiomatiques dans les dictionnaires bilingues", in: Henri Béjoint, Philippe Thoiron (Hg.), Les dictionnaires bilingues, Aupelf-Uref - Editions Duculot, Louvain-la-Neuve, 1996, S. 182. Fehler beim Gebrauch fester Wendungen ließen sich entweder den Ausdrucks- oder den Kollokationsfehlern zuordnen.
[7] Franz-Josef Hausmann, "Wortschatzlernen ist Kollokationslernen. Zum Lehren und Lernen französischer Wortverbindungen", PRAXIS 4/1984, 395-406.
[8] John Sinclair (Hg.). Collins Cobuild Grammar Patterns 1: Verbs.
London: HarperCollins, 1996.
John Sinclair (Hg.). Collins Cobuild Grammar Patterns 2: Nouns and Adjectives. London: HarperCollins, 1998.
[9]
z.B. Winfried Busse/Jean-Pierre Dubost. Französisches
Verblexikon. Stuttgart: Klett,
1983.
[10] vgl. Dirk Siepmann,
"Linguistique de corpus et grammaire: une nouvelle donne pour
l'enseignement du FLE", in: französisch
heute 3/1999, 309-327.
[11] Hilda Hurst, Reinhard Nissen, Uwe Schulz. Oberstufenarbeiten Englisch ..., S. 60.